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sich ent-setzen und sitzen-bleiben (1990)

 

Du liest in der Zeitung den neuesten Bericht
vom Krieg, er zeigt ein hässliches Gesicht.
Doch Dich rührt er nicht an, es ist ja so weit fort,
jeden Tag Elendsberichte von immer wechselndem Ort.
Auch das Auge, das aus der Zeitung blickt,
geht nicht mehr in die Tiefe, wirft nichts mehr zurück.

So schau wenigstens in die Augen derer,
die dort sind gewesen,
in ihrem Schweigen des Entsetzens
kannst Du besser lesen:

Wieviele Kinder ohne Spiel,
wieviele Alte ohne Ziel,
wieviele eiternde Wunden,
wieviele Herzen zerschunden,
wieviele bombenzerfetzte Seelen
sich in dunklen Bunkern quälen.

Wie weit riecht der Todesgeruch,
wieviele Menschen in den Trümmern gesucht,
wieviele hungerverzerrte Gesichter,
wieviele ausgelöschte Lichter,
wieviele Kinder nach den Eltern schrein,
doch die kommen nie mehr, ließen sie allein.

Wieviele kleine Körper einfach zertreten,
wieviele wundgelegene Körper beten,
daß endlich jemand kommt und wirklich sieht,
was mit den Menschen dort geschieht,
daß jemand dem Morden ein Ende setzt -
nicht irgendwann, sondern jetzt.

Legt Euer Pseudo-entsetzen endlich ab
und helft den Lebenden aus ihrem Grab!


 
 

Rosenblätter auf dem Asphalt (1994)

rosenblätter auf dem asphalt
die roten blätter zucken
wie verletzte schmetterlinge
der dunkle himmel
ein schmirgelpapier
verwischt die grellen tatsachen
des sommers
nur in meinen händen
bleibt alles eingeritzt
was schon immer darin stand

ich vermisse dich


 
 

zwei glückliche tage - abschied (1995)

Zwei glückliche Tage
zwei Tage
mit Dir
Die Bundesstraße
vor uns
wie ein
unendliches Band
Die Stadt voller Leben
Deine Augen
voll Zärtlichkeit
manchmal nachdenklich
suchend
die Spuren
unserer gemeinsamen Zeit
mit mir
Dein gelöstes Haar
engelgleich
blond - strahlend wie die Sonne
Die Absätze
hallen
durch die Gasse
Du siehst
so jung aus
zu schön
Das Leben
ist wundervoll
war? ist? anders !

Orgeltöne im Münster
Dein Gesicht
ein wenig traurig
es ist
angenehm
Deine Schulter
zu spüren
Alles Kleine
wird
durch Dich
groß
Die Zeit entflieht
wie ein
Flugzeug
dem Du gerade
nachsiehst

Der Abschied
ist schwer für mich
Eine Handvoll Kastanien
eine Handvoll Glück
Ich möchte es festhalten
ich liebe Dich

 

 
 

Freunde (1998)

Freunde für immer,
nicht dann und wann.
Freunde, mit denen man
Pferde stehlen kann.

Freunde, die helfen
bei Kummer und Leid.
Freunde, mit denen man alles teilt.

Das sind Freunde -
wir Ihr zwei und ich.

Ihr beide seid einfach
das wichtigste für mich!

 

 
 

Gefährliche Illusion (1999)

 

Ein Erotikfilm vermittelt
Junge, sei charmant
lächle
geh auf die Frauen zu
mach sie willig

Ganz einfach - zwei Minuten
dann hast Du Spaß

Mann denkt sich
einfach
lächelt
ist charmant
macht an
macht

Frau denkt sich
typisch Mann
widerlich
igelt sich ein
einsam
Frau
Mann auch

Es hätte so eine schöne Freundschaft werden können
können
ein Erotikfilm im Leben
ohne Sex
geht das?

 

 
 

Ostern - Auferstehung des Lebens (2000)

 

Die Fenster sind offen
die Herzen auch
wehende Vorhänge
vergessene Winterdepressionen
violett blühende Bäume
erwachende Träume
Sehnsüchte
Leben erwacht
Löwenzahn am Wegesrand -
Ein Strauß Tulpen
Osterglocken
in meiner Hand -
In der Luft
Blütenduft
von Gräsern und Blüten -
Durch hellgrüne Birken
den Himmel sehn
auf sprießenden Wiesen
in den Sommer gehn -
Ist das Leben nicht schön
mit der Sonne im Gesicht

 

 

 
 

So geht's mir! (2000)

Manchmal
könnte ich
vor Freude
die ganze Welt
umarmen
über
den Regenbogen
springen
Mauern überwinden
lauthals
singen -
Auf der Milchstraße des Lebens
Walzer tanzen
fahren
mit dem
'großen Wagen'
und allen sagen
wie glücklich
in bin -

Das Leben ist
so schön
wie schon lange
nicht mehr -
Sommer
Sonne
Glück

 

 
 

 

Zitatinterpretation I

 

"Es sind die Begegnungen mit Menschen,
die das Leben lebenswert machen"

- Guy de Maupassant -


Das erste Lächeln gilt nicht etwa der Mutterbrust, dem warmen Bad, der trockenen Windel, sondern allein dem liebvollen Gesicht der Mutter, bald auch dem anderen Menschen. Der Wunsch: 'Spiel mit mir!' kann allein durch teure Spielsachen nicht erfüllt werden. Zuwendung ist das Wichtigste, was ein Mensch braucht, vom ersten bis zum letzten Tag. Über dem Streben nach Leistung und Erfolg mag das nebensächlich erscheinen. Erst wenn einem nach einem Arbeitstag daheim 'die Decke auf den Kopf fällt', merken wir, daß es das nicht ist. Im Gegenteil, auch der größte Erfolg, die zufriedenstellendste Tätigkeit verlieren jede Größenordnung, wenn wir 'alleine auf weiter Flur' sind. Diese dem Machbarkeitswahn verfallene Generation läßt menschliche Arbeit von Maschinen verrichten, Entscheidungen von Computern fällen. Zugleich produzierte sie Einsamkeit, Sinnentleerung und Verzweiflung. Freude, Erfüllung, Bestätigung können wir nicht machen, sondern nur in der Begegnung mit Menschen erfahren als ein köstliches Geschenk. Suchen und pflegen wir sie, bereit und offen für verschiedenste Kommunikation, die unser Leben wert- und sinnvoll macht. 

 

 
 

 

Zitatinterpretation II

"Die Art der Gesprächsführung ist für
unsere Gesundheit
ebenso wichtig wie die richtige
Ernährung und Bewegung"

- James J. Lynch -


In langer Forschungsarbeit stellte der Autor fest, daß Pulszahl und Blutdruck ansteigen, wenn wir sprechen, und sei es nur über das Wetter. Beim Zuhören fallen diese Werte extrem. Wer also einem anderen Gesprächspartner das Wort abschneidet, dem anderen seine Meinung sagen muß, gefährdet sich selbst viel mehr als sie. In aller Regel führt demnach nicht, was wir zu hören bekommen, zu einem Konflikt, sondern was wir selbst sagen und wie wir es sagen. Die körperliche Reaktion drückt aus: 'Ich will gehört werden!' Zuhören dient also zugleich dem Gesprächspartner und uns selbst. Und der Sache, um die es geht. Richtiges Zuhören, also nicht nur Reden-lassen, verhindert, daß wir aneinander vorbeireden, daß Mißverständnisse entstehen. Der gute Zuhörer wird schon unbewußt seine Augen 'mithören' lassen. Mimik, Gestik, die ganze Körperhaltung ermöglicht das Hören zwischen den Zeilen, hinter die Worte. Wer die Kunst guter Gesprächsführung beherrscht, wird als angenehm und höflich gesucht, oft auch als guter Ratgeber geschätzt. Er fördert Gesundheit und Wohlbefinden des ganzen Menschen. 

 

 
     
     
     
     
     
     

 

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